Praxistest: 3-in-1 Objektiv für iPhone

Posted by Bassascha 2 Kommentare

Kürzlich habe ich von www.meintrendyhandy.de für einen kleinen Review ein Objektiv-Kit für das iPhone 5S bekommen, mit dem man die Smartphonekamera etwas tunen kann.

Das Objektiv-Kit, dass einfach von Oben auf das Smartphone aufgesteckt wird, verwandelt das Objektiv – sofern man bei einem iPhone überhaupt davon reden kann – der Kamera wahlweise in ein Tele-Objektiv, ein Fisheye oder in ein Makro-Objektiv.

So zumindest das Versprechen des Herstellers.

Klar, dass ich das gerne ausprobieren wollte und so habe ich einem Test nur zu gerne zugestimmt und mich mit dem Objektiv-Kit ein paar Wochen lang auseinandergesetzt um es genauer unter die Lupe zu nehmen

Die Lieferung

Geliefert wurde das Objektiv-Kit in einem kleinen Karton, in dem sich zum einen das Objektiv-Kit mit aufgeschraubtem Fish-Eye, zwei kleinen Linsenabdeckungen aus Gummi und einem kleinen Samtbeutel, in dem man das Kit vor Kratzern schützend problemlos in der Hosentasche verschwinden lassen kann und nur bei Bedarf auf das Smartphone aufsteckt.

Eine Beschreibung liegt der Verpackung nicht bei. Für die Verwendung ist das auch nicht erforderlich, aber aus diesem Grund kann ich keine genauen Angaben zu den verwendeten Materialien machen.

Das erste Ausprobieren

Weil ich ein wenig tollpatschig bin, verwende ich bei meinem Smartphone immer eine Schutzhülle, die die Ränder und Rückseite des Smartphones abdecken. Diese muss vor dem Einsatz des Objektiv-Kits jedoch erst entfernt werden, weil man es sonst nicht aufstecken kann.

Eventuelle Displayschutzfolien hingegen, können bleiben und stellen kein Problem dar. Dazu später aber mehr.

Je nachdem, welches Objektiv eingesetzt werden soll, schiebt bis zum Anschlag von oben auf das Smartphone und achtet dabei darauf, dass das Wunschobjektiv auf der Rückseite des Smartphone ist. Anschließend entfernt man die Gummiabdeckung des Objektivs und startet die Kamera.

Will man die Macro-Funktion des Kits nutzen, muss man die kleine Fish-Eye-Linse anschrauben und schon kann man ganz nah ran ans Motiv.

Im Detail

Ehe es an die Details der einzelnen Objektive geht, erst mal ein paar Details zum Gesamteindruck.

Das Gehäuse, welches auf das Smartphone gesteckt wird ist aus einem festen, verwindungssteifen Kunststoff und macht einen soliden Eindruck. An je einer Seite ist ein Objektiv befestigt – das vermutlich verklebt ist, aber ganz genau kann man das nicht erkennen.

Die Objektiv-Gehäuse, sind aus Metall gefertigt (vermutlich Aluminium) und die Linsen scheinen aus teilweise aus Kunststoff und teilweise aus Glas zu bestehen, aber dazu kann ich wie bereits erwähnt keine exakten Angaben machen.

Auf der einen Seite des Objektiv-Kits befindet sich eine kleine Vorsatzlinse die den Zoomfaktor der Smartphonekamera laut Herstellerangabe um den Faktor 2 verlängert. Auf der anderen Seite findet man sowohl eine kleine Makrolinse auf die zudem ein kleines Objektiv aufgeschraubt ist, dass die Smartphone-Kamera in ein Fish-Eye verwandelt.

Die Fish-Eye-Funktion

Eine aus meiner Sicht, sehr witzige Erweiterung der Smartphone-Kamera ist die Verwendung des Fish-Eye-Aufsatzes, dass einen Bildwinkel von etwa 92 Grad abdeckt und damit einem 20mm Weitwinkel-Objektiv an einer Vollformatkamera ähnelt. Es besteht – die Makro-Linse mit eingerechnet –  aus drei Linsen.

Die tonnenförmige Verzerrung des Objektivs, die den Effekt schließlich ausmacht, ist extrem deutlich und wird stärker, je näher man an das Motiv herangeht. Theoretisch stellt die Kamera schon ab einer Naheinstellgrenze (vom Smartphone-Gehäuse aus gemessen) von etwa 2 Zentimetern scharf, aber hier liegt der Teufel im Detail, denn je näher man an das Motiv herangeht, desto größer werden die Schatten –  verursacht von Objektiv und Smartphone, so dass die untere Bildhälfte kaum noch sichtbare Details zeigt und in tiefen absäuft. Ab etwa 15 Zentimetern Entfernung zum Motiv, ist der Schatten – je nach Lichteinfall – jedoch kein Problem mehr.

Der Autofokuspunkt lässt sich dabei frei wählen, wie man es von der Kamera-App des iPhone gewohnt ist. Im Randbereich ist das Objektiv jedoch deutlich unscharf, weshalb es sich empfiehlt, den Fokus eher ins Zentrum zu rücken.

Leider füllt das aufgenommene Bild – bedingt durch die Bauart nur einen kreisförmigen Ausschnitt, so dass an den kurzen Seiten des Bildes im normalen Bildformat, zu Abdunkelungen kommt, die die Randinnenseite des Objektivs zeigen.

Für lustige Selfies und kreative Aufnahmen ein ganz nettes Gadget, aber für mehr eigentlich nicht wirklich zu gebrauchen.

Die Makro-Funktion

Wenn man den Fish-Eye-Aufsatz abschraubt, verbirgt sich dahinter eine einzelne elliptische Linse, die es ermöglichen soll, Makro-Aufnahmen mit dem Smartphone zu erstellen.

Eins kann man ganz sicher von dieser Vorsatzlinse behaupten! Man kommt ganz, ganz nah heran. Das muss man aber auch, wenn man das Motiv scharf abbilden möchte, denn der Bereich in dem das Motiv scharf abbildet ist extrem gering.

Man sollte in etwa 1,5 Zentimeter Abstand zum Motiv haben. Die Toleranz liegt hier bei etwa 1 Millimeter was bei Freihandaufnahmen echt eine Herausforderung ist und auch wenn sich die Autofokuspunkte anwählen lassen, stellt das Objektiv nicht auf den Bereich scharf. Scharf ist das, was durch erhöhen, oder verringern des Abstandes zum Motiv in den Schärfebereich gelangt und nicht das was man auf der Touchoberfläche des iPhones antippt.

Wie schon bei dem Fish-Eye ist auch hier der Schattenwurf des Smartphones ein Problem wenn das Licht eher hart ist. Ein bewölkter Himmel oder das Fotografieren im Schatten löst das Problem jedoch meist.

Auch die Unscharfe zum Bildrand ist hier deutlich erkennbar. Dies ist auch der Fall, wenn das Motiv sich parallel zur Kamera befindet.

Mit viel Geduld und einer ganz ruhigen Hand, kann man mit dieser Linse  interessante Aufnahmen erstellen, die schon sehr an Makros erinnern. Ob das Motiv aber tatsächlich in einem Abbildungsmaßstab von mehr als 1:1 abgebildet wird, wage ich bei der minimalen Sensorgröße, die eine Smartphonekamera nun einmal hat, zu bezweifeln.

Der Telekonverter

Dreht man das Objektiv-Kit einmal herum, so ist auf der anderen Seite ein 2-Fach-Telekonverter angebracht, dass es ermöglichen soll, den Bildausschnitt enger und somit größer abzubilden.

Um zu testen, wie groß die Brennweitenverlängerung durch den, aus vermutlich 2 Linsen bestehenden Tele-Vorsatz ist, habe ich versucht, ohne Aufsatz einen vergleichbaren Bildausschnitt mit der digitalen Zoom-Funktion der Kamera-App zu erstellen.

Laut Meta-Daten der erstellten Aufnahmen, ist bei dem Bild, bei dem ich hereingezoomt habe, eine umgerechnete Brennweite von 45mm (KB-Äquivalent) und bei dem Bild mit dem Tele-Vorsatz eine äquivalente Brennweite von 30mm verwendet worden.

Auf den ersten Blick komisch, denn eigentlich müsste das Bild mit dem Zoom ja eine höhere bzw. die gleiche Brennweite aufweisen. Aber woher soll das Smartphone wissen, dass hier ein Tele-Aufsatz im Einsatz ist? Daher schreibt das Smartphone die Brennweite in die Metadaten, die ohne das Zoomen in der Kamera-App verwendet werden.

Aber auch hier gibt es Grund stutzig zu werden!

Wenn die Anfangsbrennweite der Smartphonekamera 30mm (KB-Äquivalent) beträgt, müsste beim mit dem Kamerazoom ja auf eine Brennweite von 60mm kommen um den gleichen Bildausschnitt wie mit einem 2-Fach-Tele zu erreichen…

Es handelt sich also eher um einen Verlängerungsfaktor von 1,5. Aus meiner Sicht lohnt es sich da nicht wirklich, den Vorsatz zu verwenden, wenn man dann noch die sehr deutlich in Erscheinung tretende Unschärfe zum Bildrand berücksichtigt, die nicht so deutlich ist, wenn man die Zoom-Funktion der App nutzt. Noch dazu neigt das Objektiv zu starken kissenförmigen Verzerrungen, die sich zwar mit Adobe Camera Raw entfernen lassen, aber die Abbildungsleistung noch einmal deutlich mindern.

Die Handhabung

Das Objektiv-Kit wird einfach aufgesteckt und es kann losgehen.

Einfacher kann und sollte es auch nicht sein. Hier gibt es eigentlich nichts zu meckern.

Aber auch hier versteckt sich ein kleiner Minuspunkt, denn wenn man das Smartphone einmal zum Fotografieren entsperrt hat, kann man das Telefon nur wieder sperren, in dem man das Objektiv-Kit entfernt und die Sperrtaste am iPhone drückt.

Bei einem Objektiv-Kit das ohnehin nur auf ein iPhone 5 bzw. 5S passt, sollte man doch eventuell darüber nachdenken, oben eine kleine Taste anzubringen, damit man das Smartphone auch sperren kann, wenn das Objektiv-Kit noch angebracht ist. Das kennt man ja von den meisten Schutzhüllen schon und wäre ja keine Neuerfindung des Rades.

Die Reinigung

Das Objektiv-Kit lässt sich wie jedes normale Objektiv auch, mit einem Mikrofasertuch reinigen, um Staub oder Fingerabdrücke zu entfernen.

Gerade bei den Frontlinsen ist das kein Problem und sowohl beim Fish-Eye, als auch beim Makro, besteht die Möglichkeit, diese in die einzelnen Bestandteile zu zerlegen, so dass man die Linsen einzeln reinigen kann.

Der Tele-Vorsatz ist jedoch nicht zerlegbar. Aus diesem Grund ist es auch schwieriger, die rückwärtige Linse im Gehäuse des Objektiv-Kits zu reinigen. Mit einem Anti-Statik-Pinselchen geht das aber auch ganz gut.

Die Verarbeitung

Auch wenn das Objektiv-Kit gerade mal 30 Euro kostet, kann man bei der Verarbeitung nicht meckern.

Keine störenden Grate am Kunststoff. Leichtgängige Gewinde und robustes Kunststoff, gewährleisten eine hohe Lebensdauer.

Lediglich die Abbildungsleistung der Linsen lässt ein wenig zu wünschen übrig, aber wer mit einem Smartphone fotografiert, nimmt das sicherlich auch in Kauf.

Bei der Passgenauigkeit bin ich etwas im Zwiespalt. Klar muss das Objektiv fest sitzen und sollte nicht bei jeder Berührung verrutschen, aber zu eng sollte es dann bitte doch nicht sein. Auf der Schutzfolie, welche ich auf der Vorderseite des Smartphones angebracht habe, sind deutlich Kratzer sichtbar, die durch das häufige aufstecken des Objektiv-Kits verursacht wurden.

Auch auf der Rückseite des iPhones, auf der keine Schutzfolie angebracht ist und die ja eigentlich Kratzerunempfindlich sein soll, sind leichte Kratzer zu sehen.

Wenn man bedenkt, was so ein Smartphone heutzutage kostet, finde ich das äußerst bedenklich.

Da würde ich mir eine weichere gummierte Oberfläche auf der Innenseite wünschen.


Fazit:

Für mich als Foto-Enthusiast ein tolles Spielzeug, mit dem ich eine Menge Spaß beim Test gehabt habe. Die Ergebnisse sind ganz brauchbar, wenn man das Objektiv-Kit eher als kleines Fun-Gadget betrachtet und nicht als Ersatz einer hochwertigen Kompaktkamera nutzen möchte. Dafür reicht die Abbildungsleistung der einzelnen Vorsätze keineswegs aus.

Der Preis von 30,50 Euro ist aus meiner Sicht völlig in Ordnung, wenn ich bedenke, welchen Spaßfaktor mir das Objektiv-Kit eingebracht hat, teurer dürfte es jedoch nicht sein, denn einen erheblichen Mehrwert hat man dadurch nun nicht wirklich.

Nachbesserungen, was die Passgenauigkeit und den Knopf für die Sperrtaste betrifft, wären jedoch wünschenswert, denn es steigert nicht nur die Benutzerfreundlichkeit, sondern schützt auch das meist sehr teure Smartphone vor Beschädigungen.

Leider ist das Produkt im Onlineshop nicht mehr erhältlich, aber im nachfolgenden Link, findet Ihr ein vergleichbares Produkt (das ich nicht getestet habe).

Zum 3-in1-Objektiv für das iPhone 5/5s auf www.meintrendyhandy.de

Kommentare zu "Praxistest: 3-in-1 Objektiv für iPhone"

Hinterlasse einen Kommentar