Der eigene Blick

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Das Buch von Robert Mertens

Der eigene Blick - So entwickeln Sie Ihre persönliche fotografische Handschrift von Robert Mertens

Es gibt unzählige Bücher über Fotografie, jedoch thematisieren die meisten eher den Umgang mit der Kamera um bestimmte Bilder zu erstellen, oder um Aufnahmetechniken zu erlernen.

Beim Buch Der eigene Blick von Robert Mertens ist das jedoch eher nebensächlich.

Wie schon das Cover mit der Zeile „So entwickeln Sie Ihre persönliche fotografische Handschrift“ vermuten lässt, will der Autor dem Leser mit dem Buch aufzeigen, wie man Aufnahmen erstellt, die anhand des Bildstils Rückschlüsse auf den Fotografen ziehen lassen.

Aber das Buch ist aus meiner Sicht weitaus mehr als das.

Ich ertappe mich immer öfter dabei, als Fotograf fast schon nur noch funktionieren und Aufnahmen im Kundenauftrag zu erstellen. Selbst wenn ich Privat eine Kamera dabei habe (und dank der modernen Smartphones habe ich quasi immer eine Kamera dabei), ich zwar Aufnahmen erstelle, weil mir das Motiv gefällt, aber ich mir kaum noch die notwendige Zeit nehme, die Bilder so zu gestalten, dass ich damit bewusste Botschaften oder Emotionen transportiere.

Das Buch regt zur Entschleunigung an. Weg vom Stehenbleiben, knipsen, weitergehen, ist die Devise. Der Leser wird immer wieder darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, sich mit dem Motiv und dem Bildaufbau auseinanderzusetzen. Je mehr Gedanken man sich über eine Aufnahme im Vorfeld macht, umso mehr Persönlichkeit steckt doch in einem Bild.

Damit ist das Buch aus meiner Sicht gleichermaßen für Einsteiger als auch Fortgeschrittene geeignet.

In 32 Kapiteln verteilt auf rund 330 Seiten, stellt der Autor dem Leser gezielte Fragen.

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Warum habe ich mit der Fotografie angefangen? Was möchte ich mit meinen Bildern zum Ausdruck bringen? Wie verändert sich die Bildsprache, wenn ich das Motiv bewusst anschneide oder dem Objekt mehr Raum gebe? Wie erreiche ich, dass ein Bild das Potential zu einer ganzen Bildserie erhält? Und wie kann ich mit einer Bildserie eine Geschichte erzählen? Wie möchte ich das Bild später mithilfe von digitaler Bildbearbeitung anpassen, verändern oder manipulieren?

Der Autor nimmt den Leser an die Hand, um sich auf die Fotografie zu besinnen. So gibt es am Ende von jedem Kapitel eine kleine Workshop-Checkliste, um das Thema auch in der Praxis zu vertiefen. Je intensiver man sich mit den Aufgaben auseinandersetzt, umso höher die Chance, auch wirklich eine eigene fotografische Handschrift zu entwickeln.

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Unterschiedliche Arten, sich mit den fertigen Bildern auseinanderzusetzen sind ebenfalls Schwerpunkt dieses Buches.

Warum habe ich die Aufnahme gemacht? Warum habe ich den Bildschnitt so gewählt, warum habe ich bei dem Bild eine Textur überlagert oder die Farben auf Schwarz-Weiß reduziert? Wieso habe ich Bildelemente mit ins Bild genommen und wieso habe ich bei dem Bild den Vorder- bzw. Hintergrund so gewählt?

Stellt man sich die Fragen bewusst und analysiert das eigene Bild, erhöht dies die Chance, ein Bild in diesem Stil zu reproduzieren.

Ähnlich verhält es sich durch die Bildanalyse dritter. Konstruktive Kritik ist das Stichwort. Kommt beim Betrachter des Bildes die Botschaft an, die ich vermitteln wollte? Wenn nicht, wie hätte ich dies erreichen können? Wo gibt es Verbesserungspotential? Solche und viele weitere gezielte Fragen an den Betrachter sind hier sehr hilfreich um sich dem gewünschten Ergebnis anzunähern. Wenn man auch hier bewusst mit der Kritik umgeht und diese als Wegweiser für künftige Aufnahmen versteht, steht dem eigenen Bildstil nichts mehr im Wege.

Fazit:

Weg von der spontanen Knipserei – hin zur Fotografie mit einem erkennbaren Stil.

Das Buch ist ein gelungener Leitfaden, sich bewusst mit der Fotografie auseinander zu setzen. Erst wenn man sich selber die Fragen beantworten kann, warum man etwas in einem bestimmten Stil fotografiert, ist man auch in der Lage, diese Bildsprache zu wiederholen.

Diese Fragen lassen sich jedoch nur beantworten, wenn man sich Zeit nimmt für die Gestaltung der Aufnahme. Je mehr Gedanken man sich während der Aufnahme macht, umso mehr Persönlichkeit steckt in dem jeweiligen Bild.

Robert Merten - Der eigene Blick - So entwickeln Sie Ihre persönliche fotografische Handschrift

ISBN: 978-3-8362-3832-8
Erscheinungsdatum Dezember 2015
344 Seiten – 4-farbig, Bilderdruck

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