Retusche Contest im Detail

Posted by Bassascha 1 Kommentar
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Vor einigen Tagen gab es ja einen Retusche-Contest und ich habe dir ja versprochen, dass ein oder andere Bild etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Aber erst mal ein paar Zeilen vorweg. Wie du weißt, gehört die Beautyretusche ja mit zu meinen liebsten Aufgaben, die ich mit Photoshop bewältige. Je nach Bild verwende ich unterschiedliche Techniken, denn die allseits als „die Retuschetechnik schlechthin und löst alle Probleme“ Frequenztrennung ist nicht immer die beste Wahl und wenn es nicht sein muss, dann verwende ich diese auch nicht. So viel wie nötig, so einfach wie möglich.

Schließlich entscheidet nicht die verwendete Retuschetechnik, ob eine Retusche gelingt, sondern wie man diese Methode einsetzt. Manchmal kann es auch sein, dass ich verschieden Techniken kombiniere um für mich das Maximum nach meinem persönlichen Geschmack rauszukitzeln.

Aber egal welche Retuschetechnik bei meinem Bildern zum Einsatz kommt. Das wichtigste dabei ist, dass es nicht auffällt. Niemand darf sehen, wo retuschiert wurde und welche Methode verwendet wurde. Ich denke da sind wir uns einig oder?

Nun noch ein paar Worte an die Teilnehmer:

Ich danke euch für die Teilnahme. Bitte nehmt die Kritik nicht als persönlichen Angriff. Wertet diese Kritik einfach als Optimierungsvorschlag. Ich will euch nicht persönlich runtermachen und dergleichen, sondern nur erklären, wo ich persönlich bei einer Beautyretusche ansetzen bzw. nachbessern würde.

Vielleicht hilft euch diese Kritik ja bei späteren Retuschearbeiten.

Kommen wir nun zu den eingereichten Bildern.

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Da lediglich 4 Personen an dem Retusche-Contest teilgenommen haben, was ich echt schade finde, habe ich beschlossen auf jedes Bild einzugehen. Ohne mich zum jeweiligen Stil zu äußern, denn das ist Geschmackssache, werde ich lediglich gezielt auf die Punkte eingehen, die man bei einer Beautyretusche noch optimieren könnte.

Ausgefressene Lichter

Mir kamen bei zwei der Bilder manche Bildbereiche deutlich zu hell vor, daher habe ich mit einer Einstellungsebene bei allen Bildern überprüft, ob es ausgefressene Lichter und abgesoffene Tiefen gibt. Mein Auge hat mich nicht getäuscht, so dass bei einem Bild sogar sehr große Bildbereiche in den Lichter ausfressen. Bei zwei weiteren Bildern sind es lediglich nur kleiner Bereiche und nur ein Bild weist weder ausgefressen Lichter (hier rot dargestellt) noch abgesoffene Tiefen (hier blau dargestellt) auf.

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Das Problem mit den ausfressenden Lichtern ist, dass an dieser Stelle beim Druck keine Farbe aufgetragen wird und dadurch das Papierweiss sichtbar wird.

Wie du auch in Photoshop die Tiefen- und Lichterwarnung erstellen kannst, habe ich vor langer Zeit mal in einem Youtube-Video erklärt. [Link zum Video…]

Verflüssigen

Bei einer Beautyretusche kommt es nicht nur auf die Retusche der Haut an. Auch das Verflüssigen von kleinen Bereichen, ebenso wie die Retusche von Haaren, Augenbrauen, Augen, Wimpern und Co gehören zu einer guten Beautyretusche.

Wie du in dem Screenshot erkennen kannst, hat keiner der 4 Teilnehmer den nicht ganz so geraden Mund korrigiert und verflüssigt. Das ist auch bei der nicht ganz so symmetrischen Nase der Fall.

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Das wäre bei mir der erste Schritt, den ich ausgeführt hätte.

Hautretusche

Die Retusche der Haut ist teilweise recht gut gelungen.

Im nachfolgenden Screenshot lässt sich jedoch sehr gut erkennen, dass die Strukturen deutliche Unterschiede aufweisen. Das Kinn ist im Vergleich zum Rest deutlich zu weich und weist kaum noch eine erkennbare Hautstruktur auf. Auch der andere markierte Bereich (das ist nur ein Beispiel des Bildes und ist in fast der gesamten Retusche erkennbar), lässt Abweichungen, wenn auch meist sehr schwach, erkennen. Hier wurde bei der Wahl der Quelle nicht die richtige Struktur aufgenommen und daher sehen die retuschierten Bereiche etwas weicher aus, als die nicht retuschierten Bereiche.

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Bei dem nächsten Screenshot ist die Haut nach wie vor in weiten Teilen sehr grobporig. Hier und da sind kleine Makel retuschiert worden. Die kleinen Fältchen unter den Augen sind jedoch immer noch erkennbar. Insgesamt wirkt das Bild aber sehr kontrastarm und auch wenn hier eine Frequenztrennung zum Einsatz kam, wirkt die Haut teilweise, als hätte man einen gaußschen Weichzeichner mit verringerter Deckkraft über das gesamte Bild gelegt.

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Auch bei dem nachfolgenden Bild kam die Frequenztrennung zum Einsatz. Leider wurde der Weichzeichner der Farbebene mit einem deutlich zu hohen Radius angewendet was sich an der Kontrastkante vom Kleid zur Haut, oder den Haaren deutlich rächt, wie die Markierungen zeigen. Auch hier ist die Haut insgesamt noch sehr grobporig. Das Augenweiß ist hier gar nicht retuschiert worden.

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Damit wären wir auch schon beim nächsten Punkt

Augen retuschieren

Bei der Retusche der Augen geht es um das Abmildern von feinen Äderchen im Augenweiß. Auch leichte Farbstiche im Augenweiß können hier korrigiert werden. Das Begradigen von Wimpern und Schließen von Lücken in den Wimpern durch nachzeichnen einzelner Härchen, würde die Retusche perfektionieren. Die Pupillen und Wimpern sollten schön dunkel, jedoch zum Gesamtbild passend sein. Das gilt natürlich nicht, wenn das Model helle Wimpern hat.

Auch wenn es nicht unmittelbar zu den Augen gehört, kannst du auch bei den Augenbrauen, einzelne, querliegende Haare retuschieren, und einzelne Härchen nachmalen um den Augenbrauen etwas mehr Dichte zu verleihen.

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Die Vergleichsansicht zeigt die unterschiedliche Wirkung der Augen und Wimpern. Nur zwei der Teilnehmer, haben sich die Mühe gemacht, die feinen Äderchen in den Augen abzumildern, bzw. vollkommen zu retuschieren. Für meinen Geschmack ist das Augenweiß beim Bild oben Links aber deutlich zu hell, im Vergleich zum Rest des Bildes. Das Auge wirkt auch etwas überschärft, was an den Kanten vom Augenweiß zu den Augenliedern sichtbar wird. Das ist auch das einzige Bild, wo das Augen-Make-Up digital aufgetragen wurde.

Das Bild oben rechts ist mir persönlich etwas zu Kontrastarm, aber das ist dem Bildlook geschuldet. Das Augenweiß wurde hier auch nicht retuschiert.

Das Bild unten links wurde im Bereich der Augen gar nicht retuschiert, während das Bild unten rechts nahezu perfekt retuschiert ist. Das Augenweiß ist nicht zu hell und die feinen Äderchen wurden deutlich abgemildert, ohne diese komplett zu retuschieren. Unabhängig von der Retusche hätte das Auge allerdings davon profitiert, wenn Wimpern und Iris abgedunkelt worden wären.

Lippen retuschieren

Man muss nicht zwangsläufig Lippenstift auftragen, denn das hat mit der Retusche selbst nicht viel zu tun. Wenn man die Lippen – als Bestandteil der Beautyretusche – retuschiert, sollte man die Konturen optimieren und kleine Fehlerchen retuschieren und den Lippen passend zum Look, etwas Brillanz verleihen.

Bei dem Bild, das es zu retuschieren galt, gab es bei den Lippen kaum etwas zu retuschieren. Die Lippenkonturen hätte man etwas optimieren können (das mit dem Verflüssigen hatten wir ja schon), aber das war nicht zwingend, denn gerade bei dem Nude-Look, wie es das Rohmaterial hergab, sind die etwas weicheren Konturen passend.

Wenn man jedoch digitalen Lippenstift aufträgt, sollte man die Konturen etwas verfeinern, so dass sich Lippen und Haut deutlich abgrenzen.

Die Brillanz der Lippen, gefällt mir insgesamt sehr gut, denn es passt bei allen Bildern zum Gesamtkontrast der Bilder, allerdings sind die Lippen im Bild oben rechts etwas überschärft und die Brillanz der Lippen, sollte sich auch auf die Lippen beschränken und nicht auf die Lippenränder. Hier hätte man die zu hellen Bereiche nahe Mundwinkel der Unterlippe abmildern können.

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Haare retuschieren

Haare retuschieren gehört wohl zu den schwierigeren Aufgaben bei der Beautyretusche. Es müssen Lücken geschlossen werden, in denen die Kopfhaut durchschimmert. Einzelne querliegende Haare sollten entfernt werden. Strähnen begradigen, sowie Farben einzelner Strähnen angleichen, kann ebenfalls schon mal nötig sein.

Manchmal hilft es, Haare und Haarsträhnen mit Photoshop zu malen.

Bei dem Ausgangsbild gab es im oberen Bereich eine Lücke, bei der das Haar die Kopfhaut nicht ganz überdeckt hat. Das hat nur einer der Teilnehmer bemerkt und diesen Bereich überstempelt. Leider passt die Struktur ebenso wenig zum umliegenden Bereich wie die Richtung der Haarsträhnen. Außerdem kann man hier sehr gut erkennen, dass sich der gestempelte Bereich wiederholt.

Einzelne querstehende Haare findet man hier auch. Das ist aber bei den meisten Bildern der Fall. Bei zwei Bildern sind diese jedoch teilweise abgemildert, so dass Sie nicht mehr ganz so auffallen, wie du im nachfolgenden Screenshot erkennen kannst.

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Hier kannst du auch gut erkennen, dass fast alle die einzelnen Haare, die über die Stirn gehen, schlichtweg abgeschnitten haben. So fallen diese noch deutlich mehr auf, als wenn man diese einfach gelassen hätte, wie es beim Bild oben rechts der Fall ist.

Links über dem Auge, gab es auch ein paar Querflieger, eines davon kreuzte die Augenbraue, was sehr störend war. Wenn man dieses Haar retuschiert – und das sollte man – dann darf das Haar nicht einfach nur unterbrochen werden.

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Beim Bild oben links ist das sehrt gut umgesetzt. Die Augenbraue wurde etwas überstempelt, so dass es nicht auffällt. Bei Bild oben rechts kann man erkennen, dass hier der Retuschepinsel einfach diagonale über die Augenbraue gezogen wurde. Allerdings lassen sich zwei kleine Stellen noch erkennen.

Das trifft auch auf das Bild unten rechts zu. Hier allerdings bei allen Haaren – Auch denen, über den Hautbereichen. Beim letzten Bild wurden die Haare da nicht retuschiert.

Die ersten drei habe jedoch alle eins gemein. Wenn man Haare entfernt, sollten diese nicht abrupt enden und noch weniger, plötzlich wieder auftauchen, denn das verrät sofort, dass hier retuschiert wurde.

Für mich gehört auch die Retusche der Kleidung zu einer ordentlichen Beautyretusche, aber den Punkt lasse ich hier mal außen vor, denn da gab es nicht wirklich etwas zu retuschieren.

ich hoffe, dass der ein oder andere anhand dieser kleinen Beispiele vielleicht etwas für seinen eigenen Worklflow mitnehmen konnte.

Kommentare zu "Retusche Contest im Detail"

  • 1 Stefan Korbion 24. Februar 2016 19:21Uhr

    Danke Sascha für die Ehrlichen und Konstruktiven Worte. Zeigt es doch wieviel Wissen und Gespür für Professionelle Retusche Notwendig ist, vorallem Erfahrung.Ich für meinen Teil, sage Danke auf diesem Wege.

    Allzeit Gut , Licht Gruß Stefan

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