Landschaftsbilder mit Lightroom entwickeln

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Titelbild_Turtorial_Adobe Lightroom - copyright Ivan Reinhold

Mit Adobe Lightroom in 7 Schritten
zum perfekten Landschaftsbild

Ein Gastartikel von Ivan Reinhold

Jeder, der regelmässig fotografiert, kennt das Problem: Man ist draussen in der Natur und kommt an einen Ort, an dem man denkt: „Wow! Das Foto dieser Szene hänge ich mir zu Hause an die Wand!“ Am Bildschirm folgt dann häufig die Ernüchterung. Anstatt einer ausgewogen belichteten Landschaft sind Landschaftsbilder meist aufgeteilt in einen überbelichteten Himmel sowie eine unterbelichtete grüne Masse. Ich zeige euch, wie ihr mit ein paar einfachen Handgriffen in Adobe Lightroom mehr aus euren Landschaftsfotografien herausholen könnt:

Digital-Kameras haben einen beschränkten Dynamik-Umfang

Grund für die gleichzeitige Über- und Unterbelichtung ist der beschränkte Dynamik-Umfang eurer Kamera. Während unser Auge eine extrem hohe Anzahl an verschiedenen Helligkeits- und Kontrast-Stufen aufnehmen und verarbeiten kann, ist der Sensor von Digitalkameras in dieser Hinsicht deutlich eingeschränkt. Aus diesem Grund ist in Fotografien mit hohen Helligkeits-Differenzen in der Regel ein Teil des Bildes über-, ein anderer jedoch unterbelichtet. Daraus ergibt sich, dass die zu hellen Bildteile in der Nachbearbeitung am Computer abgedunkelt, die zu dunklen Teile jedoch nachbelichtet werden müssen, um eine ausgewogene Belichtung zu erhalten.

Für die richtigen Bedingungen sorgen

Für die Nachbearbeitung gilt: Man kann Bildinformationen nur wiederherstellen, wenn sie überhaupt in der Datei vorhanden sind. Zu stark überbelichtete Bildteile bestehen nur aus weissen Pixeln, aus denen sich keine Informationen mehr wiederherstellen lassen. Umgekehrt gilt dasselbe für zu stark unterbelichtete Bildteile. Um für die Nachbearbeitung ideale Bedingungen herzustellen, gilt es folgende Grundsätze zu beachten:

1. Je grösser der Sensor, umso mehr Informationen kann er aufnehmen. Eine Vollformat-Spiegelreflexkamera wird immer bessere Bilder machen als eine Handykamera (auch wenn diese XY Megapixel hat – die Erklärung dazu würde diesen Rahmen sprengen)

2. Eine RAW-Datei speichert ein Vielfaches an Informationen im Vergleich zu einem (durch die Kamera bereits vorbearbeiteten) JPEG-Bild.

3. Versucht, um Belichtungs-Ausreisser zu minimieren, eine möglichst ausgewogen belichtete Aufnahme zu machen, in der die Lichter nicht zu hell und die Tiefen nicht allzu dunkel sind. Aufschluss über die Helligkeitsverteilung gibt das Histogram.

Zur Wahl von Adobe Lightroom

Viele der Schritte, welche ich euch zeigen werde, liessen sich auch in anderen Grafikprogrammen durchführen. Meiner Meinung nach ist Lightroom jedoch in den meisten Fällen die beste Wahl, da die Handhabung intuitiv ist, die Möglichkeiten von Version zu Version vielfältiger werden und sich für viele Hobby-Fotografen die Anschaffung von Photoshop preislich nicht lohnt. Ich arbeite aktuell mit Lightroom 5, die beschriebenen Korrekturen lassen sich jedoch auch mit früheren Versionen durchführen.

An die Arbeit: Die Bildbearbeitung

1. Tiefen anheben

Unser Ausgangsbild ist relativ flau. Mein erster Schritt ist jeweils das Anheben der Tiefen, was schon einiges ausmacht. Dabei werden die dunklen Bildteile aufgehellt:
Funktion_1_Tiefen_anheben_Adobe Lightroom - copyright Ivan Reinhold

2. Kontrast

Als nächstes verleihe ich dem Bild mehr Kontrast. Die Veränderung des Kontrasts lässt sich auf mehrere Arten bewerkstelligen. Am einfachsten ist dabei der Kontrast-Regler. Wer noch etwas bessere Resultate möchte, arbeitet direkt mit der Gradationskurve. Dabei ist wichtig, dass diese eine leichte S-Kurve macht.
Funktion_2_Veraenderung_ Kontraste_Adobe Lightroom - copyright Ivan Reinhold

3. Verlaufsfilter

Die einfachste Art und Weise, unausgewogen belichtete Bildteile zu bearbeiten sind Verlaufsfilter, gerade wenn die Aufteilung so klar ist wie in diesem Bild. Für den Himmel nehme ich hier die Belichtung um knapp anderthalb Blendenstufen zurück und gebe ein wenig Kontrast sowie Sättigung dazu. Da der Himmel etwas gar ausgefressen ist, lege ich zudem einen schwachen Blauverlauf drüber.
Funktion_3_Verlaufsfilter_einstellen_Adobe Lightroom - copyright Ivan Reinhold

4. Sättigung & Klarheit

In einem nächsten Schritt erhöhe ich die Farbsättigung des Bildes sowie die Klarheit. Dabei kann man ruhig selbstbewusst zu Werke gehen, muss jedoch aufpassen, es nicht zu übertreiben – gerade bei der Sättigung. Ein übersättigtes Bild wirkt schnell künstlich.
Funktion_4_Farbsaettigung_und_Klarheit_anpassen_Adobe Lightroom - copyright Ivan Reinhold

5. Details mit dem Pinsel abdunkeln

Wo es passt, können mit dem Pinsel-Werkzeug einzelne Bildbereiche bearbeitet werden, um das Bild etwas lebendiger zu gestalten. Da die linke Bildhälfte noch etwas flau ist, habe ich im Bereich des Schattens an der linken Bergflanke die Belichtung um ca ¾ Blendenstufen zurückgenommen. Praktisch ist dabei die Anzeige des bearbeiteten Bereiches (Häkchen unter dem Bild).
Funktion_5_Details_mit_dem_Pinsel_abdunkeln_Adobe Lightroom - copyright Ivan Reinhold

6. Schärfen

Je nach Verwendungszweck des Bildes lässt sich an dieser Stelle vieles richtig machen – oder eben nicht. Zudem ist die Art des Schärfens stark vom Bild abhängig. Im Vorschaubild (100%-Vergrösserung) lassen sich die Änderungen gut nachverfolgen. Da mein Bild viele Details besitzt, habe ich hier relativ stark nachgeschärft. Tipp: Durch Drücken der Alt-Taste während wird das Bild sowie die Vorschau maskiert, was eine bessere Einschätzung der Schärfe ermöglicht.
Funktion_6_Schaerfe_einstellen_Adobe Lightroom - copyright Ivan Reinhold

7. Letzte Details

Zum Schluss gehe ich noch einmal über das Bild drüber und schaue, ob der Gesamteindruck so für mich stimmt. In diesem Fall lege ich noch einen zweiten Verlaufsfilter über die rechte untere Ecke, um den Kontrast etwas zu erhöhen.
Funktion_7_zweiter_Verlaufsfilter_anwenden_Adobe Lightroom - copyright Ivan Reinhold

Zum Schluss noch der gesamte Ablauf in der Übersicht:

Uebersicht_Ablauf_Bildbearbeitung_Adobe Lightroom - copyright Ivan Reinhold

Über den Gastautor


Ivan Reinhold lebt und arbeitet in Zürich. Als Grafiker/ Freelancer und Hobby-Fotograf befasst er sich täglich mit Bildern und deren Bearbeitung. Das Fotografieren ist nicht nur sein liebstes Hobby, es ist vielmehr seine Leidenschaft, die er mit Gleichgesinnten teilen möchte. Aus diesem Grund hat er seinen Blog „RUND UMS FOTOGRAFIEREN“ ins Leben gerufen. Darin schreibt er über verschiedene Themen wie z. B.: Foto Ausrüstung, Foto Tutorials, Fotobücher, Fotografen, Photoshop, Foto Techniken sowie über viele weitere Themen rund ums Fotografieren.

Link zum Blog: http://rund-ums-fotografieren.ch

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