How 2 … doppelte RAW-Konvertierung

Posted by Bassascha 2 Kommentare

Einleitung:

Doppelte RAW-Konvertierung ist eigentlich wesentlich einfacher, als es sich anhört, aber ich bin mir sicher, dass einige von euch davon noch nie etwas gehört oder gar wissen wozu man die doppelte RAW-Konvertierung nutzen kann.

Ich kenne diese Technik nun schon seit Langem und nutze sie auch sehr häufig.

Es gibt unzählige Beispiel für Anwendungsgebiete bei der man sich die Technik der doppelten RAW-Konvertierung zu Nutze machen kann. Auf jedes Anwendungsgebiet einzugehen, erspare ich mir in diesem Tutorial deshalb, denn es würde ganze Bücher füllen.

Zwei Beispiele seien hier jedoch im Groben mal genannt:

Insbesondere in der Portrait- oder Beauty-Fotografie kann diese Technik höchst effektiv sein, wenn es darum geht, Details scharf zu zeichnen und die Haut über den Klarheit-Regler im RAW-Konverter weicher wirken zu lassen.

In der Konzertfotografie nutze ich doppelte RAW-Konvertierung sehr häufig um den durch die Bühnenbeleuchtung im Hintergrund in der Dynamik anzuheben und die Belichtung der bunten Strahler zu minimieren damit sie so richtig knallig und farbenfroh rüber kommen. Den Klarheit Regler ziehe ich meist sehr weit auf um den Hintergrund weicher wirken zu lassen und um störende Hintergrunddetails zu minimieren. Bei der zweiten RAW-Konvertierung des Bildes, konzentriere ich mich auf den Künstler, der auf der Bühne seine Show abliefert. In diesen Bereichen nehme ich die Klarheit etwas raus um Details zu erhalten und Schärfe nach. Obwohl ich die Belichtung mit der Spotmessung der Kamera messe, kann es schon mal erforderlich sein, dass der Künstler etwas in der Belichtung angepasst werden muss. Auch das kann man hier wunderbar im Adobe Camera RAW nachjustieren.

Ich hoffe dass euch die Beispiele ein Anreiz sind, ein wenig zu experimentieren, welche Möglichkeiten sich mit der doppelten RAW-Konvertierung bei der digitalen Bildbearbeitung ergeben.

Vorkenntnisse:

Um das Tutorial nutzen zu können, musst du kein Profi im Umgang mit Adobe Photoshop sein. Du solltest lediglich wissen, wie man ein RAW-Format Bild öffnet, was sicherlich keine Schwierigkeit darstellt und dich mit den Reglern und dessen Auswirkungen von Adobe Camera RAW (ACR) vertraut gemacht haben.

1. Öffnen des RAW-Bildes mit Adobe Camera RAW

RAW-Datein in Adobe Camera RAW anpassen

Abbildung 1

Um ein RAW-Format-Bild in Adobe Camera RAW zu öffnen, reicht in der Regel ein Doppelklick auf die entsprechende Bilddatei. Ich verwende Canon-Systeme, daher ist es in meinem Fall eine *.CR2-Datei.

Bei Nikon-Kameras heißen die RAW-Dateien *.NEF und bei anderen Kamera-Systemen können ebenfalls andere Endungen für eure RAW-Dateien verwendet werden. Ich gehe mal davon aus, dass Ihr euch mit eurer Kamera ausreichend auskennt um zu wissen, welche Endung eine RAW-Datei bei euch hat.

Habt Ihr das Bild geöffnet, stellt Ihr das Bild nach euren wünschen ein.

2. Als Smart-Objekt in Adobe Photoshop öffnen

RAW aus Adobe Camera Raw als Smart-Objekt in Adobe Photoshop öffnen

Abbildung 2

Bevor Ihr nun auf die Schaltfläche „Bild öffnen“ klickt, muss eine kleine aber entscheidende Einstellung vorgenommen werden. Wir wollen das Bild als Smart-Objekt in Photoshop öffnen.

Hierzu klickt Ihr auf den Link unterhalb des Bildes (in Abbildung 2 rot eingekreist) und es öffnet sich ein Pop-Up-Fenster mit den Einstellungen mit denen die RAW-Datei in Adobe Photoshop geöffnet wird.

An der Stelle der Markierung (in Abbildung 2 kleiner roter Kreis) befindet sich eine kleine, unscheinbare Checkbox die aktiviert werden muss. Setzt dort das Häkchen und bestätigt mit einem Klick auf die Schaltfläche „OK“ oder bestätigt den Vorgang mit der Enter-Taste.

Abschließend öffnet Ihr das Bild indem Ihr auf die Schaltfläche „Objekt öffnen“ klickt.

Euer erstes Smart-Objekt liegt nun als einzige Ebene in eurer Ebenenpalette. Der Wesentliche Vorteil an Smart-Objekten ist, dass man die Einstellung einfach wieder verändern kann, was ein wichtiger Punkt in der non-destruktiven Bildbearbeitung ist.

Mit einem Doppelklick auf die Ebenen-Miniatur öffnet sich (in diesem Fall) abermals Adobe Camera RAW um eventuelle Anpassungen an den Entwicklungseinstellungen vorzunehmen. Dies ist auch dann sinnvoll, wenn keine doppelte RAW-Konvertierung erfolgen soll.

3. Neues Smart-Objekt durch Kopie

Um dieses erste Smart-Objekt erneut in Adobe Camera RAW zu öffnen und mit geänderten Einstellungen wieder in Photoshop zu importieren, reicht es nicht aus, die Smart-Objekt-Ebene zu duplizieren. Wir müssen aus dieser Ebene eine neue Smart-Objekt-Ebene erstellen.

Zweites Smart-Objekt durch Kope von Smart-Objekt erzeugen

Abbildung 3

Um dies zu erreichen, klickt mit der rechten Maustaste auf die Ebene in der Ebenenpalette und wählt im Kontext-Menu den Menu-Punkt „Neues Smart-Objekt durch Kopie“ (In Abbildung 3 markiert).

Habt Ihr alles richtig gemacht, habt Ihr nun zwei Smart-Objekt-Ebenen.

4. Kopie des Smart-Objekts mit Adobe Camera Raw öffnen

Wie bereits in Schritt 2 erwähnt, reicht ein Doppelklick auf die Ebenen-Miniatur aus, um das Smart-Objekt erneut in Adobe Camera RAW zu öffnen.

Zweites Smart-Objekt in Adobe Camera Raw anpassen

Abbildung 4

Nehmt nun eure Einstellungen in Adobe Camera RAW vor und bestätigt den Vorgang durch einen Klick auf die Schalfläche – na wer weiß es schon? Richtig! – „Objekt öffnen“.

Die Änderungen werde im Adobe Photoshop übernommen und sind sofort sichtbar.

5. Arbeiten mit Ebenen-Masken

Da sich die Änderungen in den Entwicklungseinstellungen aus Adobe Camera RAW heraus auf das Gesamte Bild auswirken, müssen wir nun mit einer Ebenenmaske die Bereich ein- oder ausblenden, die sichtbar bleiben oder eben maskiert werden sollen.

Eine Ebenenmaske kann man mit verschieden Methoden erzeugen.

Zu allererst klickt Ihr auf die obere Ebene in der Ebenenpalette um diese Ebene mit einer Ebenenmaske auszustatten.

Vollständige maskierende Ebenenmaske auf oberes Smart-Objekt anwenden

Abbildung 5

Über das Menu „Ebene -> Ebenenmaske -> Alles ausblenden“ (Abbildung 5) erzeugt Ihr eine Ebenenmaske, die das ganze Bild maskiert und somit die gesamte Ebene ausblendet. Wählte Ihr „Ebene -> Ebenenmaske -> Alles einblenden“, erzeugt Ihr auch eine Ebenenmaske, jedoch ist hier erst einmal kein Unterschied zu erkennen, weil die gesamte Ebene sichtbar bleibt.

In unserem Tutorial verwenden wir den Befehl „Alles ausblenden“

Vollständige Ebenenmaske blendet zweites Smart-Objelt vollständig aus

Abbildung 6

Eine Ebenemaske erkennt man daran, dass neben der Ebenen-Miniatur nun eine weitere weiße „Alles eingeblendet“ oder schwarze „alles ausgeblendet“ Ebenen-Miniatur zu sehen ist (Abbildung 6 roter Kreis)

Stellt sicher, dass sich um diese kleine, schwarze Ebenen-Miniatur ein kleiner Rahmen befindet, der bedeutet, dass Ihr nun in der Ebenenmaske arbeitet und nicht direkt auf der Ebene.

Die Farbvoreinstellungen der Werkzeugpalette wechseln nun auf „Schwarz“ und „Weiß“ (Abbildung 6).

Wählt einen Pinsel in notwendiger Größe und Kantenschärfe aus und malt mit weiß (ggf. bei verringerter Deckkraft) über die Bereiche an denen die Entwicklungseinstellungen des zweiten Smart-Objekts wieder zum Vorschein kommen sollen.

Solltet Ihr einmal zu viel Deckraft gewählt haben, oder über einen Bereich gemalt haben, der nicht sichtbar sein soll, wechselt einfach zur Farbe Schwarz und malt über diese Bereich erneut drüber.

Ebenenmaske beim zweiten Smart-Objekt mit Pinsel partiell aufheben

Abbildung 7

Wie eure Ebenenmaske im Anschluss aussieht, könnt ihr sehen in dem Ihr mit gedrückter „ALT-Taste“ auf die Ebenen-Masken-Miniatur klickt.

Die Ebenenmaske des zweiten Smart-Objekts

Abbildung 8

Zugegeben…

Es handelt sich hierbei nicht gerade um ein Kunstwerk, aber die verwendeten Abbildungen sollen ja auch lediglich verdeutlichen, was gemeint ist.

Ich hoffe Ihr konntet mir folgen! Wenn nicht, lasst es mich bitte wissen und sagt mir woran es scheitert. Ich werde mich dann umgehend mit euch in Verbindung setzen und das Tutorial überarbeiten.

Und jetzt los!!! VIEL SPASS!!!

Kommentare zu "How 2 … doppelte RAW-Konvertierung"

  • 1 Roman 3. Februar 2011 07:08Uhr

    Sehr schön beschrieben! Vielen Dank, werde das bei dem nächsten Portrait mal ausprobieren 🙂

  • 2 Jürg Stüssi 26. Mai 2015 14:05Uhr

    Die Camera Raw Bearbeitung „pro Ebene“ ist eine exzellen- te Methode, die ich in mein Photoshop CS6 Repertoire ein- schliessn werde. Du hast den Ablauf klar beschrieben, so dass nie Zweifel beim „Nachmachen“ aufkommen konnten.

    Gibt es noch weitere solche guten Sachen von dir zu ler- nen; wo könnte ich das finden ?

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