Farbräume verstehen

Posted by Bassascha 2 Kommentare

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Eigentlich wollte ich dir heute einen Blogartikel über das bevorstehende TfP-Shooting für die Modedesign-Studentin Marie-Claire Bitter schreiben, aber gestern Abend hat sich mein Plan etwas geändert.

Ich bin viel in sozialen Netzen unterwegs. Unter anderem bin ich bei Facebook in diversen Gruppen, die sich mit Fotografie & Bildbearbeitung auseinandersetzen. Sicher bist du auch in der einen oder anderen Gruppe.

In der Gruppe Photoshop-Tutorials German kam gestern eine Frage zum Thema Farbräume auf, indem die Fragestellerin eine Dialogbox angezeigt bekam, dass das zu öffnende Bild nicht im richtigen Farbraum vorliegt. Das hast du bestimmt auch schon mal gesehen.

Vorab möchte ich mal was zu den Farbräumen im Allgemeinen loswerden, denn es gibt anscheinend immer noch genügend Leute, bei denen solche Meldungen für Verwirrungen sorgen.

RGB-additiv-CMYK-Subtraktiv-Sascha-Basmer

sRGB, Adobe-RGB, CMYK

Grundsätzlich sollte man zwischen zwei Farbraumfamilien unterscheiden. Den Additiven und den subtraktiven Farbräumen.

Für die Anzeige auf Bildschirmen wird Grundsätzlich ein RGB-Farbraum verwendet. Dabei setzten sich die Farben aus einer Mischung von Roten, Grünen und Blauen Pixeln zusammen. Man spricht hierbei von einer additiven Farbmischung, bei der alle drei Farben bei 100% Deckkraft weiß ergeben. Schwarz entsteht dadurch, dass alle drei Farben bei 0% Deckkraft liegen.

Stell dir das vor du hast eine rote, eine grüne und eine blaue Lampe, die alle den gleichen Punkt anleuchten. Machst du alle Lampen aus – also =% Deckkraft – bleibt es dunkel im Raum. Wenn du alle Lampen einschaltest, addieren sich die Lichtfarben und du hast weißes Licht. Wenn du jetzt die Blaue Lampe ausschaltest, erhältst du gelbes Licht. Und so kannst du je nachdem welche Lampe du wie stark abdimmst, jeden Farbton erzeugen.

Bei Printmedien wird in der Regel ein CMYK-Farbraum verwendet (Vollton-Farben, Pantone oder ähnliche Sonderlinge lassen wir mal außen vor, das ginge zu weit). Dieser besteht aus den Farben Cyan, Magenta, Gelb und der Keycolor Schwarz. Das kommt dir ganz sicher aus deinem Drucker bekannt vor. Hier spricht man von einer subtraktiven Farbmischung, bei der weiß dadurch entsteht, dass alle 3 Farben bzw. 4 Farben (wenn man die Keycolor mit einschließt) 0% Deckkraft aufweisen. Will man Schwarz erzeugen, werden alle Farben auf 100% eingestellt.

Theoretische werden beim Druck nur drei Farben benötigt – nämlich Cyan, Magenta und Gelb. Da diese in der Realität zusammen bei voller Deckkraft aber eher ein schmutziges Braun ergeben, hat man diesem Farbraum die Keycolor Schwarz hinzugefügt.

Soviel zu der Zusammensetzung der Farben in den unterschiedlichen Farbräumen. Es gibt zwar noch weitere Farbräume, aber die lassen wir jetzt mal außen vor.

Und jetzt kommen wir zu der Thematik des gestrigen Posts.

Welcher Farbraum ist denn jetzt richtig?

Dummerweise gibt es nämlich nicht nur DEN RGB-Farbraum. Sicher hast du schon mal von sRGB oder Adobe RGB gehört. Es gibt aber noch eine Menge weitere wie zum Beispiel den ProPhoto RGB, oder den Apple RGB Farbraum.

Eines ist bei allen RGB-Farbräumen gleich. Addiert man die Farben, so erhält man die Farbe weiß.

Farbraumabdeckung

Der Unterschied der einzelnen RGB-Farbräume liegt in der Anzahl der darstellbaren Farben und Farbabstufungen. So kann der ProPhoto-RGB Farbraum mehr Farben darstellen als der Adobe-RGB-Farbraum. Dieser wiederrum ist größer (kann mehr Farben darstellen) als der sRGB-Farbraum.

Der CMYK-Farbraum ist noch mal deutlich kleiner, was sich insbesondere bei grellen Farben bemerkbar macht, die auf dem Monitor zwar angezeigt werden (hier ist die Anzeige schließlich IMMER RGB, selbst wenn dein Dokument im CMYK-Farbraum erstellt wurde), aber beim Druck können diese Farben schlichtweg so nicht gedruckt werden.

Bei der Betrachtung am Monitor merkst du davon in der Regel aber nicht viel, denn die meisten Monitore können nicht mal alle Farben des kleineren sRGB-Farbraums darstellen. Es gibt zwar spezielle Monitore die einen deutlich größeren Farbbereich abdecken, wie die Color-Graphics Serie von Eizo, aber das ist nur ein Faktor, denn die Grafikkarte sollte da auch mitspielen.

Jetzt könnt man ja zu dem Trugschluss kommen, dass man bei der Bildbearbeitung dann ja grundsätzlich den sRGB-Farbraum verwenden kann, weil man auf dem Monitor eh keinen Unterschied erkennen kann. So zumindest ein Kommentar zu dem gestrigen Post.

Das ist so aber nicht ganz richtig. Wenn es möglich ist, bearbeitet man ein Foto immer im größtmöglichen Farbraum. Das ist der Farbraum, den dir deine Kamera erlaubt. Meine Canon-DSLRs erlauben mit sowohl sRGB als auch Adobe-RGB. Logisch dass ich hier schon den größeren Farbraum wähle, um bei der Bildbearbeitung mehr Reserven zu haben.

Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer!

Wenn du das Bild im Adobe-RGB-Farbraum aufnimmst und auch in diesem bearbeitest, stehen die viel mehr Farben und Farbtöne zu Verfügung. Das ist eine sehr gute Reserve, die sich auch spürbar bemerkbar macht, wenn du das Bild deutlich aufhellen musst, oder Farben manipulieren, indem du zum Beispiel die Dynamik oder Sättigung deutlich erhöhst.

Wenn du das Bild beim Öffnen in Photoshop in sRGB umwandelst, kann es bei der Bildbearbeitung zu Tonwertabrissen kommen, weil dieser einfach deutlich kleiner ist und die Farben schlichtweg nicht erzeugen kann.

Noch schlimmer wird dies, wenn du das Bild beim Öffnen schon in CMYK umwandelst, weil es ja später eh gedruckt werden soll.

Wann sollte ich also den Farbraum ändern?

Hast du dein Bild fertig bearbeitet, steht die Entscheidung an, was du mit diesem Bild machen möchtest. Ich speichere vor der Umwandlung meine PSD ohne den Farbraum zu ändern, denn so stehen mir auch bei einer Änderung an der Bearbeitung immer noch alle Farben des größten Farbraums zur Verfügung. Wenn du ein Bild für deinen Blog oder für die Anzeige als Diashow auf dem Beamer, oder, oder oder, speichern willst, verwendest du beim Speichern sRGB. Im Photoshop-Dialog „Für Web und Geräte speichern“ gibt es dafür eigens eine kleine Checkbox. Damit reduzierst du zwar die Farben, aber diese können die Geräte ohnehin nicht darstellen und die Bearbeitung ist ja nun auch abgeschlossen und die Gefahr der Tonwertabrisse ist nahezu gleich null.

Ein Bild beim Öffnen in einen größeren Farbraum umzuwandeln macht übrigens realtiv wenig Sinn, denn wenn die Farben nicht existieren, kann auch Photoshop diese nicht ergänzen.

Wenn du das Bild ausdrucken willst, solltest du nun überprüfen, welche Farben eventuell nicht richtig gedruckt werden können. Dafür hat Photoshop die Möglichkeit, sich eine Farbumfangwarnung anzeigen zu lassen. Hierfür habe ich vor einiger Zeit mal ein Video erstellt (Sorry für den schlechten Ton).

Ich hoffe, ich konnte dir hier ein wenig Klarheit verschaffen. Solltest du Fragen haben, steht dir ja die Kommentarfunktion zur Verfügung.

Sonnige Grüße
Sascha

Kommentare zu "Farbräume verstehen"

  • 1 Stefan Korbion 13. Januar 2016 10:52Uhr

    Danke … kurz , knapp und Verständlich die Fakten verpackt.

  • 2 Markus Götz 13. Januar 2016 10:55Uhr

    Hallo Sascha,

    sehr verständlich und kompetent beschrieben.

    Das Fotografieren in AdobeRGB zeigt in der Nachbearbeitung seine Stärken.
    Auch dass die Umwandlung des Originals in cmyk ein Kardinalfehler ist. Viele Bildkorrekturen und Filter stehen in dem Farbprofil bei Photoshop z.B. dann auch nicht mehr zur Verfügung. Die finale Druckdatei speicher ich immer, nachdem ich das Original gesichert habe, als neue Datei mit dem Zusatz _print ab.

    Bleibt nur zu hoffen, dass man einen Monitor hat, welcher möglichst viel des AdobeRGB darstellen kann.

    LG Markus

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