Streetw[o]rk – Bastian Staude im Fokus

Posted by Bassascha 2 Kommentare
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Vor gut genau einer Woche habe ich einen Artikel über die TION2011 geschrieben, in dem ich auch einen Link zu der Webseite www.streetwrk.com gepostet habe. Heute ist es für mich an der Zeit, mal zu erwähnen, warum ich das getan habe.

Bastian Staude, der zusammen mit Ben Hanelt, den durchaus lesenswerten Blog www.sweetspotfoto.de betreibt, hat mir am Abend vor der TION bei einem gemütlichen Kölsch an den Rheinufer-Terrassen, ein paar äußerst eindrucksvolle Aufnahmen auf seinem Smartphone gezeigt.

Wir kamen schnell ins Gespräch, wie erstaunlich nah die Bilder wirken und dass ich es bewundere, wenn man, mit der Festbrennweite bewaffnet, auf der Straße sein Motiv ins Visier nimmt, auf die Person zugeht, auf den Auslöser drückt und dann wieder verschwindet.

Ich finde, dass zu dieser Art der Fotografie eine Menge Mut gehört und ich bin sicher, dass es einigen von euch- wie auch mir – sicher nicht ganz einfach fallen würde, in der Art und Weise zu fotografieren.

Weil mir die Ergebnisse die daraus resultieren so gut gefallen, dachte ich, ich frage einfach mal nach ob sich Bastian meinen Fragen stellen würde, damit ich dieses Interview auf dem Blog veröffentlichen kann.

Schnell hatte ich seine Zustimmung und er war sogar sehr gerne bereit, mir ein paar seiner bemerkenswerten Street Photography -Bilder für den Blog zur Verfügung zu stellen, wofür ich mich an dieser Stelle noch mal bedanken möchte.

Warum Street Photography?

Ich habe nach Jahren der Reportage und Reisefotografie festgestellt, dass es mir sehr leicht fällt auf Menschen zuzugehen und diese zu fotografieren. Gefragt oder ungefragt spielt hierbei vorerst keine Rolle. Irgendwann bin ich hierdurch in dem Bereich der Street Photograph gelandet und dies wurde zu einer richtigen Leidenschaft.

Ich besuche gerne Ausstellungen und Galerien von Street Photographen wie z.B. Henry Cartier-Bresson, welcher in diesem Bereich ein großes Vorbild für mich geworden ist. Schon damals wurde Zeitgeschichte in dieser Form festgehalten – auch wenn dieser Bereich der Fotografie diesen Namen damals noch nicht trug. Wer Fotografie egal in welchem Bereich lernen und ernsthaft betreiben will, muss auf die Großen schauen. Ein eigener Stil ist wichtig, Regeln brechen ebenso, wenn man weiß was man tut.

Warum so viel analog?

Ich habe mich nach einigen Lustkäufen wie einer Zorki 3M Messucherkamera von 1955 welche ohne Automatiken auskommt in diese „Technologie“ verliebt. Mit elektronischen Hilfen, Autofocus und Automatiken kann jeder fotografieren.

>In der Street fotografie kommt es allerdings auf Schnelligkeit an. Der richtige Moment, das richtige Licht, entstehenden Wiederholungen und Situationen müssen erkannt werden bevor sie entstehen. Meist bleibt dann nur eine Chance, der Bruchteil von Sekunden um diese festzuhalten.

Das geht mit analogen Geräten genauso schnell wie mit digital, insofern man sein Arbeitsgerät blind bedienen kann.

Ich bilde mir ein mit meinem manuellen Fokussieren genauso schnell zu sein, wie bei der Verwendung eines Autofocus, gerade bei beweglichen Situationen habe ich das Gefühl durch Erfahrung und entsprechender Vor-Fokussierung eine gleichwertige Geschwindigkeit erzeugen zu können. Wen das Messsuchersystem gefangen hat, wird nie so richtig davon loskommen.

Oftmals hilft mir das Arbeiten mit Film auch zu einer Entschleunigung. Bei digitalen Ausflügen kam ich schnell in wenigen Stunden auf hunderte Bilder, viele davon habe ich anschließend enttäuscht aussortiert.

Wenn ich mit einem 36er oder 24er Film unterwegs bin, überlege ich mehr, komponiere besser und schiesse Situationen nicht tot. Am wichtigsten ist jedoch, dass zwischen der Aufnahme und dem entwickelten Bild ein gewisser Zeitraum liegt, welcher mir die Gelegenheit gibt, den Moment zu vergessen, die Situation in welcher das Bild entstanden ist neu zu überdenken.

Jedes spontane Street Portrait ist für mich auch immer eine Erinnerung an den Menschen, ein Gefühl und eine emotionale Erinnerung.

Oftmals würde ich diese vor Begeisterung sofort in sämtliche Portale uploaden und zeigen wollen und wäre über ein mögliches geringes Feedback enttäuscht, weil hier nur das Bild von anderen betrachtet wird, meine persönliche Erfahrung aber unbekannt ist.

Viele Fotografen versuchen hier mit Erklärungen zum Foto diese Situation wieder herzustellen, was in meinen Augen nicht klappt. Ein Foto muss die Geschichte von alleine erzählen können, wenn es auch eine gänzlich andere ist, als ich sie erlebt habe. Wenn ein Foto komplett ohne Beschreibung und Titel wirkt, der Betrachter daran hängen bleibt und verweilt – ist es für mich gelungen einen erlebten perfekten Moment festzuhalten.

Bei jedem meiner spontanen Street Portraits, bei welchen ich sehr nah an die Menschen herantreten muss, da ich nur mit Festbrennweiten von 50mm oder sogar nur 24mm arbeite, ist es mir wichtig diesen Menschen mit Respekt gegenüberzutreten. Diffamierende Aufnahmen von Menschen die sich in peinlichen, bloßstellenden Situationen befinden vermeide ich. Street Photographie ist in meinen Augen die Fotografie mit Menschen und nicht über Menschen.

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Sämtliche Bilder wurden mir von STREETW[O]RK – Bastian Staude zur Verfügung gestellt und unterliegen dem Urheberrecht.

Kommentare zu "Streetw[o]rk – Bastian Staude im Fokus"

  • 1 Stephan Braun 3. Oktober 2011 11:53Uhr

    Danke für den Tipp und das Interview!
    Ich mag auch die Steetfotografie und werde mich in Zukunft da mehr einbringen.

  • 2 Oliver Jung 3. Oktober 2011 12:16Uhr

    Danke für diesen tollen Artikel. Ich finde es echt gradios was viele Streetfotografen zu Stande bringen.

    Bastian beschreibt hier sehr schon, wobei es bei der Bildwirkung ankommt.

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