Microstock – Fluch oder Segen?

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Gastartikel von Andreas Richter


Gastartikel über Microstock von Andreas Richter

Einleitung

Die Zeiten, in denen professionelle Fotografen das alleinige Recht für sich in Anspruch nehmen konnten, Bilder zu verkaufen, sind seit einigen Jahren vorbei. Sogenannte Microstock Agenturen sind aus dem Boden gesprossen und haben sich am Markt etabliert. Anbieter wie fotolia, Shutterstock oder iStockphoto gehören zu den Größen dieser Branche. Was für den Einen ein Fluch ist, ist für den Anderen ein Segen. Doch sollte man diese Entwicklung verteufeln? Oder ergeben sich sogar neue Möglichkeiten – für den Profi wie auch ambitionierten Hobbyfotografen? Und was hat überhaupt der Kunde davon? Dieser Artikel versucht die Antworten darauf zu finden.

Am Anfang war das Bild

Früher möchte man meinen, war die Welt noch in Ordnung: Fotografen waren die „Herrscher“ über ihre Bilder, bestimmten den Marktpreis und lieferten zumeist hochwertige Ergebnisse. In diesem überschaubaren Ökosystem mit einigen hochpreisigen Bildagenturen war der Wettbewerb noch übersichtlich (vom Wettbewerb der Fotografen untereinander einmal abgesehen).

Das Erscheinen von Microstock Agenturen hat diesen Zustand radikal verändert. So ist seitdem nicht nur das Preisgefüge für Bilder dramatischen Änderungen unterworfen, auch der Zugang zu kreativen Inhalten wurde plötzlich einer breiten Masse möglich – vom Privatmann, über den Kleinunternehmer bis hin zu großen Firmen. Wie alle Veränderungen, hat auch diese Entwicklung ihre Facetten, die je nach Zielgruppe (Anbieter oder Abnehmer) unterschiedliche Auswirkungen hat. Doch Eines ist allen gemein: Der Bildmarkt ist mit der Gründung von Microstock Agenturen grundlegend umgekrempelt.

Lassen wir Zahlen sprechen: Auf fotolia bieten knapp 3.7 Millionen Fotografen über 20 Millionen Bilder an. Beeindruckend, nicht wahr? Sicher könnte man einwenden, dass es nicht allesamt hochwertige Aufnahmen sind. Aber am Ende des Tages stehen die Chancen gut, ein passendes Motiv zu finden. Und dass zu einem unschlagbaren Preis.

Ist dies das Ende der klassischen Profi-Fotografie?

Aus Sicht der Fotografen

Die Antwort lautet ganz klar „Nein“. Denn so wie der Wandel von der Analogfotografie zur Digitalfotografie den Markt revolutioniert hat, ist die Existenz von Microstock Agenturen mitnichten als Bedrohung zu verstehen. Denn aus Sicht eines Fotografen eröffnet sich ein völlig neuer, überregionaler Kundenstamm. Diesen Absatzkanal für sich sinnhaft zu erschließen, ist sicherlich nicht einfach. Und auch die Margen variieren je nach Mitgliedslevel. Erst ab einer gewissen verkauften Anzahl an Bildern und bei Zusicherung des exklusiven Verkaufs auf einer einzigen Stockplattform sind dann lohnenswerte Umsätze zu verzeichnen.

Doch es gibt einige Kreative, die sich einen nicht unerheblichen Teil ihres Lebensunterhalts via Microstock finanzieren. Der Weg dorthin ist aber sicher weit. Unabhängig davon kann Microstock Fotografie als zusätzliche Einnahmequelle eine mögliche Option sein. Das Entscheidende auch hier: das Portfolio. Das Bild der 100. Sonnenblume wird es sicher schwer haben zum Bestseller. Gefragt sind also Kreativität und der Mut, auch ungewöhnliche Perspektiven einzunehmen. Nicht zuletzt gibt es Kategorien, welche mehr Einnahmen versprechen als andere. Wirft man beispielsweise einen Blick auf die fotolia Bestseller-Liste (http://de.fotolia.com/Info/All/BestSellers/FromTheBeginning) erhält man davon einen Eindruck. Menschen, insbesondere in Business Situationen, dominieren das Ranking.

Und hier ergibt sich eine Möglichkeit zur Differenzierung für Fotografen. Denn professionelle Portraitbilder wird kein Fotoamateur realisieren können. Also stehen die Chancen gut, dass ein professionell gemachtes Bild zum Topseller wird und auch höhere Verkaufspreise erzielt. Nicht zuletzt sorgt auch die Schwemme an Bildern (wir erinnern uns: 20 Millionen!) für eine zunehmend restriktivere Handhabung bei der Annahme von Fotografien durch die Microstock Agenturen. Ein weiterer Punkt der für qualitativ hochwertige Aufnahmen spricht, die dadurch ihren Weg einfacher in das Portfolio von Microstock Agenturen finden.

Ein letzter und wichtiger Aspekt zur Abgrenzung bleibt: Individualisierung. Auch wenn Mengen an Bildern augenscheinlich den Markt überschwemmen. Der individuelle Charakter kann nicht gewährleistet werden. Und das ist es, was die Handwerkskunst in der Fotografie ausmacht und eine Abgrenzung zum standardisierten Agenturbild ermöglicht. Durch eine auf den Kunden abgestimmte fotografische Arbeit entsteht letztlich ein Bild, das für den Kunden und den Anwendungszweck einmalig ist. Das Risiko, dass soeben gekaufte Microstock Bild für den eigenen Flyer auf der Website des Mitbewerbers zu sehen, besteht damit nicht. Und kein Unternehmen mit einer gut durchdachten und gezielten Werbekampagne wird ein Stockphoto verwenden, welches in großformatigen Anzeigen zum Einsatz kommt und das Risiko der Verwechslung in sich birgt.

Aus Sicht der Kunden

Doch was hat der Kunde davon? Für Unternehmen und Werbeagenturen bieten Microstock Agenturen einen nicht zu unterschätzenden Vorteil – den schnellen Zugang zu einem großen Sortiment an Bildern zu einem attraktiven Preis. Denn nicht immer ist die individuelle, hochpreisige Aufnahme gefragt und notwendig. Im Zeitalter von Social Media, sinkender Printwerbung und immer dynamischeren Vermarktungskanälen über das Internet werden auch die Laufzeiten von Werbekampagnen kürzer. Hier lohnt sich oftmals ein Blick in das Portfolio einer Microstock Agentur.

Das Bild für die Landingpage oder eine Grafik für das neue Werbebanner ist schnell gefunden und kann im Nachhinein in der Retusche an die eigenen Vorstellungen angepasst werden. Gerade wenn es auf Schnelligkeit ankommt, kann es interessant sein ein Stockfoto zu kaufen anstatt die Aufnahme selber anzufertigen. Auch vor dem Hintergrund der Nutzungsdauer eines solchen Bildes macht es Sinn einen Blick auf das Kosten-Nutzen-Verhältnis zu werfen. Insbesondere wenn nicht die höchste Auflösung eines Bildes notwendig ist, liegt der Preis meist im einstelligen Euro-Bereich.

Ein Aspekt sollte nicht vergessen werden: Die breite Auswahl einer Microstock Agentur kann auch der eigenen Inspiration dienen und gegebenenfalls zu neuen Ideen führen, die sich grafisch umsetzen oder einbinden lassen.

Fazit

Mit der Entstehung von Microstock Agenturen hat sich ein neues Marktsegment gebildet, welches einen veränderten Umgang mit Bildern zur Folge hat. Diese Entwicklung als Bedrohung oder Chance zu sehen, liegt letztlich immer im eigenen Ermessen. Doch Punkte wie die Erschließung einer breiten potentiellen Kundschaft aus Anbietersicht oder der schnelle Zugang zu erschwinglichen Bildmaterial aus Kundensicht sprechen für dieses Modell.

Der wachsende Zuspruch für Microstock Fotografie hat den Erfolg der Anbieter beflügelt und wird zukünftig sicher zu einer Ausweitung des Angebots folgen. Schon lange sind nicht mehr nur Bilder im Sortiment, sondern auch Illustrationen oder sogar Videos zu finden. Vielleicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt einzusteigen!?


Über den Autor:

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Andreas Richter beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit Fotografie, Bildbearbeitung und WordPress. In seinem Blog fotobeam.de veröffentlicht er regelmäßig Testberichte, Tutorials und Reportagen zu diesen Themen.

Kommentare zu "Microstock – Fluch oder Segen?"

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